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torben_wadlinger
Rockstar

Persönliches Fazit meiner Erfahrungen mit Claude (Code) und Archicad

Der interessierte Leser dieses Forums wird bemerkt haben, dass ich in den letzten Wochen einige Skripte und Add-Ons für Archicad online gestellt habe, mit denen ich versucht habe, das Spektrum von Archicad zu erweitern. Begonnen hat es mit der bloßen Neugier darüber, inwieweit sich Archicad über ein Sprachmodell steuern oder sogar automatisieren lässt - erstaunlicherweise sehr weit und sehr gut.

 

Die meisten meiner diesbezüglichen Projekte entsprangen eigenen Erfahrungen darüber, was Archicad fehlt. Man kann dies auch in der Wunschliste nachverfolgen, denn einige dieser Wünsche konnte ich mir mit Hilfe von Claude Code selbst erfüllen. "Vibe Coding" ist hier das Stichwort.

 

Nun bin ich gegenüber dem gewöhnlichen Architekten / der gewöhnlichen Architektin etwas im Vorteil, denn ich habe durch ein entsprechendes Studium ein wenig Erfahrung im Umgang mit Programmiersprachen, der Logik von Software und insgesamt mit dem Thema Algorithmen. Und tatsächlich bedeutet Vibe Coding nicht, dass man der KI eine Anforderung gibt und diese dann sofort fehlerfrei umgesetzt wird. Es bedeutet vielmehr, dass man ohne Plan bzw. ohne Konzept auch keinen vernünftigen Code bekommt, auch wenn das System natürlich versucht aus Exkrementen Gold zu machen.

 

Allerdings, und hier komme ich auf meine vorher genannte Erfahrung zurück, kommt man auch nicht herum zu verstehen, wieso der Code fehlerhaft ist. Hier hilft es ungemein parallel zur Entwicklung des Codes durch das LLM auch in den Code selbst zu schauen. Dabei muss man nicht jede einzelne Zeile verstehen, aber man muss ein Verständnis dafür haben, was der Code macht. Und natürlich unterstützt das Sprachmodell auch an dieser Stelle, denn man kann einfach fragen, was der Code macht - das kostet aber wieder Token und daher ist die erwähnte Vorbildung in der benutzten Programmiersprache durchaus hilfreich.

 

Jetzt bin ich mir absolut sicher, dass alle Software-Entwickler (auch GS) inzwischen LLM's einsetzen und ich bin mir ebenso sicher, dass die Softwarequalität in den nächsten Jahren sprunghaft ansteigen wird. Zumindest wenn das Produktmanagement erkennt, dass man KI sowohl für Innovation als auch für Software-Pflege einsetzen kann. Und ich verbinde damit die Hoffnung, dass wir in den nächsten Jahren erleben dürfen, dass Archicad sich zu dem Werkzeug entwickeln wird, dass wir alle schon immer haben wollten: schnell, robust, innovativ und mit der geringst möglichen Anzahl von Bugs.

 

Ich selbst werde das nicht mehr genießen können, da ich mit Version 29 den Archicadzug verlassen habe. Aber natürlich beobachte ich interessiert weiter, wie sich das Produkt entwickelt. 

 

Aber, und das ist mein Fazit: mit Hilfe von Vibe-Coding, C++, dem Add-On-System, Python, tAPIr und multiconn_Archicad kann man auch auf einem "älteren" Archicad weiterarbeiten. Außerdem erweitert es den Geist und das Wissen, denn manchmal muss um die Ecke denken um zum Ziel zu kommen.

 

Natürlich stellt sich auch immer die Frage der Kosten, auch der Umweltkosten, wenn man mit einer KI arbeitet. Leider ist es immer noch so, dass es günstiger ist, ein leistungsfähiges Modell zu mieten als es selbst zu betreiben. Denn auch der Betrieb eines eigenen Sprachmodells erfordert entsprechende Hardware und kostet Strom.

 

Persönlich hatte ich mir schon lange einen KI-Assistenten innerhalb von Archicad gewünscht. Diesen rüstet Graphisoft ja jetzt nach, aber leider nicht in der Art, wie ich es mir gewünscht hätte. Mein eigener Assistent auf der Basis von Claude und tAPIr kann daher bereits jetzt mehr, als das was Graphisoft als AI-Assistent im Wortsinne verkauft. Dahinter steckt natürlich Kalkül, denn man muss Innovation in kleinen Dosen (plural, Dosis) verkaufen, insbesondere dann, wenn man die User im Abo-Modell gefangen hat. Aber darauf wollte ich gar nicht abzielen.

 

Architekten sind keine Informatiker. Dieser Satz wird gerne zitiert, wenn Software kompliziert wird oder man zu Erreichung eines Planungsziels programmierartige Dinge tun muss. Zum Beispiel GDL-Skripte schreiben. Aber es kann auch nicht jeder Architekt/jede Architektin gut entwerfen (ein offener Blick in die gebaute Umwelt offenbart dies als Binse). Und in der Erreichung eines Planungsziels kann der Rückgriff auf interne Programmierschnittstellen der entscheidende Vorteil sein.

 

@GRAPHISOFT wie wäre es mit einem KI-Forum?

Archicad seit v5.0 bis v29 | macOS und Windows | BIMCloud selbst gehostet | BIM-zertifiziert gemäß BAK und BIngK | BIM-Referent AK RLP
1 AKZEPTIERTE LÖSUNG

Akzeptierte Lösungen
Fritz Schupferling
Community Manager
Community Manager

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Hallo Torben,

gute Idee! Hier ist es!

Grüße,

Fritz

Fritz Schüpferling
Community Expert

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7 ANTWORTEN 7
Hmooslechner
Moderator

Ich konnte einige Dinge in GDL mit KI's lösen, die mir ohne KI nicht möglich gewesen wäre - aber - mit genügend Unterstützung von Menschen mit den entsprechenden Kenntnissen wäre dies auch möglich gewesen. (Hatte mich bisher darum nicht wirklich gekümmert und alles zuvor alleine lösen wollen...)

Wir sehen bisher nur einen kleinen Schnipsel der möglichen KI-Entwicklung. Möglicherweise gibt es aber physikalische, technische oder noch viel wahrscheinlicher - wirtschaftliche "Engstellen", welche die weitere Entwicklung und Usability nun stark einschränken...

 

Bisher war es mir möglich, mit den nicht ganz aktuellen KI-Versionen diese GDL-Dinger zu bearbeiten, aber nun kommt - nach dem "Anfixen" (Terminus aus dem Drogen-Milieu) jene Phase, wo die Hersteller nun dazu übergehen, Dir die Abos "auf's Aug zu drücken" - wo Du denkst, Du wärst bereits abhängig davon - sei es aus Gründen des Konkurrenzkampfes oder aus rein emotionalen Gründen - zB. - "sich nicht abgehängt zu fühlen". 

 

Beides, denke ich, ist "danebengedacht". 

 

Meine bisherigen Erfahrungen mit der Ki deuten darauf hin, daß die derzeitigen Versionen auf Brennpunkt-Probleme ganz gut funktionieren, jedoch den tatsächlichen konzeptionellen Überblick über über das gesamte Thema, welches Du bearbeiten willst - zwar die Kompetenz suggerierien, die aber tatsächlich nur eine reine Luftnummer darstellt.

 

Tatsächlich ist es eher so: Du konzipierst, Du lenkst, du korrigierst du entwickelst mit Hilfe eines autistischen Kindes mit Savant-Syndrom.


 

AC5.5-AC27EduAut, PC-Win10, MacbookAirM1, MacbookM1Max, Win-I7+Nvidia
torben_wadlinger
Rockstar

Welche wirtschaftlichen Engstellen meinst Du? Wenn Du darauf abzielst, dass die Investitionen in KI-Systeme und Rechenzentren den tatsächlichen zivilen Bedarf weit, WEIT, übertreffen, dann hast Du sicher recht. Es ist daher davon auszugehen, dass der tatsächliche Bedarf sich eher an staatliche Akteure richtet und für militärische und - sagen wir mal - behütende Aufgaben genutzt werden wird.

 

Letzten Endes kann alles eine Waffe sein. Und es ist auch egal, ob ein Mensch oder eine KI unmoralisch handelt. Zum Schluß stellt sich nur die Frage, wie man persönlich mit so einem Werkzeug umgeht.

Archicad seit v5.0 bis v29 | macOS und Windows | BIMCloud selbst gehostet | BIM-zertifiziert gemäß BAK und BIngK | BIM-Referent AK RLP
Hmooslechner
Moderator

Wirtschaftliche Engstellen: Energiebedarf - die Kosten steigen nicht nur für KI-Anbieter, sondern wegen der Knappheit natürlich auch für alle anderen Energie-Konsumenten und hier gibts einfach ein machbares Limit oder Verteilungskämpfe.

 

Die shareholder wollen ihre Investitionen mit Mehrwert zurückbekommen und "die billige Kennenlernphase" ist nun wohl für uns Anwender vorbei. 

Es stellt sich nun wirklich die Wirtschaftlichkeitsfrage - ist es für mich mit diesen Abo-Kosten sinnvoll, die KI überhaupt zu nutzen oder besser darauf zu verzichten und die Probleme selber zu lösen.

 

Gesamtwirtschaftlich: Es ist das alte Problem der unfairen Besteuerung von Arbeit. Menschliche Arbeit ist hoch besteuert. Maschinenarbeit praktisch im Vergleich fast gar nicht. Wenn wirklich die Jobs alle wegfallen - womit wird sich ein Staat dann in Zukunft finanzieren. In der Übergangsphase wirds da ordentlich "haken". Staatliche stellen werden diese Art Arbeit dann begrenzen.

AC5.5-AC27EduAut, PC-Win10, MacbookAirM1, MacbookM1Max, Win-I7+Nvidia
Fritz Schupferling
Community Manager
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Hallo Torben,

gute Idee! Hier ist es!

Grüße,

Fritz

Fritz Schüpferling
Community Expert
torben_wadlinger
Rockstar

DANKE!

Archicad seit v5.0 bis v29 | macOS und Windows | BIMCloud selbst gehostet | BIM-zertifiziert gemäß BAK und BIngK | BIM-Referent AK RLP
torben_wadlinger
Rockstar

Ich stimme da nicht ganz mit Dir überein. Thema Energiebedarf. Aktuell kann man zwei Entwicklungen feststellen: große Rechenzentren tendieren dazu (insbesondere in den USA), ihre eigene Stromerzeugung nebendran zu bauen. Aktuell sind das vornehmlich Brennstoffzellen-Kraftwerke. In den USA macht das tatsächlich Sinn, denn (entgegen dem, was uns die aktuelle US-Teagietrung erzählen möchte) boomt die Windkraft in den USA.

https://energiewinde.orsted.de/energiewirtschaft/usa-erneuerbare-boomen-in-trump-hochburgen-gruende

 

Und der einfachste und schnellste Weg, den Strom vom Erzeuger zum Verbraucher zu bringen (in den USA), ist Wasserstoff. Effizienz ist hier nicht das Thema. Die zweite Entwicklung sind die Mini-AKW's. Physikalisch machen die überhaupt keinen Sinn, denn je kleiner das AKW, desto ineffizienter ist es. Baut man so ein (mobiles) Mini-AKW aber neben ein Rechenzentrum, das irgendwo in der Pampa steht, ist man auch hier energetisch autark.

 

Viel gravierender ist aber das Thema Wasser! In den USA kann man beobachten, dass die Rechenzentren die lokale Wasserversorgung brutal zusammenbrechen lassen.

https://youtu.be/4A6NECilAls?si=RU4ZfKCFT5lwFtXj

 

Etwas ähnliches haben wir in D übrigens mit Tesla in Grünheide, wo auch dort der Wasserverbrauch so hoch ist, dass die lokale Wasserversorgung nur noch sehr schwer über das Grundwasser sichergestellt werden kann.

https://www.boell.de/de/2025/11/28/fabrik-im-wasserschutzgebiet-5-dinge-die-wir-aus-dem-fall-tesla-d...

 

Zur Frage der Wirtschaftlichkeit: KI als Spielzeug ist natürlich nicht wirtschaftlich. Aber wenn man sie für das einsetzt, wofür sie gebaut ist, dann wird vieles möglich. KI ist perfekt für Programmierung, auch für GDL. Eventuell ist Grok dafür die falsche KI. Aber mein Punktwolke-Objekt zusammen mit dem Add-On hat Claude in weiten Teilen selbst entwickelt, d.h. den Code geschrieben (auch den GDL-Code), compiliert und deployed. Ohne dass ich etwas hin- und her kopieren musste. Tatsächlich verwende ich Claude (in der 21 EUR/Monat-Version) fast täglich. Heute hat er mir den Basistext für eine FLB geschrieben. Das hätte mich wieder mal Stunden gekostet die Informationen aus der Baugenehmigung zu suchen, zu kopieren, den Text aussenrum zu schreiben, die Beschreibung der Konstruktion etc. Statt dessen eine halbe Stunde Konversation und danach war der Rohentwurf fertig. natürlich muss ich da nochmal drüber gehen - aber der Anfang ist gemacht. PDF-Angebote in GAEB, kein Problem, geht in Minuten. Neulich einen 136-seitigen Grundbuchauszug in Sütterlin, Kursivschrift, lateinischer Handschrift, Schreibmaschine und Computerdruck immer mal wieder "nebenbei" während der sonstigen Arbeit an einem Tag in ein übersetztes Dokument geschrieben (war für einen Bauherrn, war wichtig für eine Grundstücksvergrößerung des Bauprojekts). Und, und, und.

 

Von mir aus kann das auch Hundert Euro im Monat kosten, der Mehrwert ist enorm. Und der Mehrwert wird explodieren, wenn die KI lernt Pläne zu beschriften und zu bemaßen und Daten zwischen den Systemen selbsständig auszutauschen, also sowas wie "mach ein IFC für meine Ausschreibungssoftware, lade sie dort rein und erstelle für alle Gewerke, die du erkennst, die Ausschreibungsunterlagen". 

 

Das wird kommen. Bald. Und ich finde es gut. Weil es uns von dem Alltagsballast befreit. Das, was uns die Freude am Beruf nimmt. 

 

Und damit komme ich zu Deinem letzten Punkt. Das Argument ist valide. Es ist die Frage nach dem Wert der Arbeit. Als Architekten merken wir täglich, dass unsere Leistungen regelmäßig entwertet werden. Insbesondere durch uns selbst. Aber ist es so schlimm, wenn KI-Roboter Arbeit übernehmen? Ich finde nicht. Leider findet diese gesellschaftliche und philosophische Diskussion nicht statt. Dabei ist sie so wichtig. Aber es wird erst schlimmer werden, bevor es besser wird. Ich empfehle als Leküre: Isaac Asimov und Philip K. Dick. 

 

Wer es eher cinematiscch mag:

-Blade Runner (natürlich)

- Der zweihundert Jahre Mann

- Ghost In The Shell (das Anime)

- Mars Express

- I, Robot (naja, nicht wirklich, aber schon ein bißchen)

- A.I. (auch nur ein bißchen, vor allen Dingen, weil es eigentlich ein Kubrik-Film ist, den Spielberg ordentlich verhunzt hat)

 

 

 

Archicad seit v5.0 bis v29 | macOS und Windows | BIMCloud selbst gehostet | BIM-zertifiziert gemäß BAK und BIngK | BIM-Referent AK RLP
Frank Beister
Moderator

"Weil es uns von dem Alltagsballast befreit. Das, was uns die Freude am Beruf nimmt."


Oha. Da definiere mal bitte Freude und den Kern von "Architekt". Gerade Architekt/in ist ein extrem vielseitiger Beruf. Wie du schon bemerkt hast ist nicht jeder der begnadete Entwerfer. Es gibt viele, die in Bauökonomie vertieft haben. Die werden das nicht als Hilfe sehen, wenn das Tätigkeitsfeld, das ihnen Spaß macht nun eine KI lösen soll. Und warte mal, bis dein "Freude"-Feld auch ersetzt wird.

Ich sehe das im Medienbereich: Da killt noch nicht mal die KI die Jobs, sondern die Genügsamkeit der Masse. Studios bekommen keine Aufträge mehr, weil sich der Kunde mit am iphone-gedrehten und geschnittenem Material zufrieden gibt. 

 

KI ist eine vergleichbare Büchse der Pandora wie Kernspaltung, Microprozessoren oder Gentechnik. Und du hast Recht, dass wir das dringend politisch angehen müssen. (Gesellschaftlich-philosophisch ist der Umgang mit solchem Wandel nicht neu und wie du bemerkst auch schon lange im Diskurs, wenn auch nicht gelöst.) Wenn wir aber Jahrzehnte lang Tec-Konzerne noch nicht mal zum reguläre Steuern bezahlen bringen, wie wollen wir von Ihnen einfordern, dass sie der Gesellschaft z.B. in Form einer Maschinensteuer etwas zurückgeben müssen?

 

Ich freue mich auf unseren Austausch im September!

bim author since 1994 | bim manager since 2018 | author of selfGDL.de | openGDL | skewed archicad user hall of fame | author of bim-all-doors.gsm

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