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torben_wadlinger
Virtuoso

Lösungskonzept: Archicad unter Linux und digital (fast) souverän

Ich habe mir zwischen den Jahren ein paar sehr intensive Gedanken dazu gemacht, wie das mit Archicad und Windows/macOS so weiter geht. Zum Einen, da der Support für Windows 10 eingestellt wurde und Microsoft mit Windows 11 den eigenen Computer zunehmend übernimmt (https://www.drwindows.de/news/microsoft-und-das-agentic-os-schicksalsfrage-und-bewaehrungsprobe) und den User entrechtet. Das ist übrigens keine Polemik, sondern eine Tatsache, denn inzwischen ist Windows 11 in der aktuellen Version nicht mehr mit lokalem Benutzer installierbar (außer in der Enterprise-Version oder mit spezieller Anti-Bloat-Software zur Vorbereitung des ISO). 

 

Bei macOS ist es etwas spezieller. Graphisoft unterstützt Archicad in der Regel nur bis zwei OS-Versionen rückwärts und Apple schraubt jedes Jahr an seinem Betriebssystem derart herum, dass insbesondere Archicad immer wieder Probleme mit der GUI hat. Besonders blöd wird es, wenn man neue Hardware kauft, die natürlich nur vorwärtskompatibel ist, man aber ältere Software einsetzen will oder muß, z.B. weil man den Graphisoft-Zoll nicht mehr bezahlen möchte.

 

So weit, so bekannt.

 

Gerade letztes Jahr (2025) wurde es lauter im Bereich Linux als Windows-Ersatz. Es gibt hunderte von Videos und dutzende von Artikeln die den Umstieg von Windows 10 auf irgendeine Linux-Distribution erklären - inkl. der Anpassung der GUI, damit man ja nix merkt vom Umstieg. Das funktioniert erstaunlich gut, solange man nur den normalen Kram macht (Internet, eMail, Office und ggfs. ein paar Spiele), aber - und das ist der Grund für diesen Beitrag - was ist, wenn man professionell arbeiten möchte?

 

Ich will hier garnicht lange 'rummachen: ich habe Archicad unter Linux (Fedora 43 Workstation und WINE/Bottles) maximal installiert bekommen. Allein starten lies es sich nicht und die Fehlermeldungen waren auch nicht sehr hilfreich. Außerdem möchte ich Archicad (und die anderen kritischen Anwendung wie SketchUP, Rhino, BuildUp, BIMCollab, etc. und ggfs. Revit) einfach ausführen und updaten. Ohne Weihrauch und Dankesopfer!

 

Das Stichwort lautet daher: Anwendungsvirtualisierung! Manche stöhnen jetzt, vor allen Dingen, weil sie bereits mit dem Thema zu tun hatten und das prächtig in die Hose ging (lahm, unzuverlässig, teuer). Dieses Thema wird aber in der Regel von der Admin-Seite her gedacht, d.h. die IT glaubt zu wissen, was als Leistung benötigt wird und macht eine Kosten-Nutzen-Rechnung. Entsprechend wird Leistung eingekauft. Was die IT nie kapiert, ist, dass die entsprechende Leistung (insbesondere bei Archicad) sich nicht über zusätzliche Prozessoren skalieren lässt und dass durch die 2D/3D-Arbeitsweise der Leistungsanspruch des Benutzers sich sekündlich ändert. Ein Terminal-Server mit virtueller Grafik-Hardware ist daher die falsche Lösung.

 

Was wäre dann die richtige Lösung? Dedizierte PC-Hardware (im Serverraum), Windows 10 Pro, aktiviertes und konfiguriertes RDP (für schnelle Grafik), RemoteApp Tool (https://www.kimknight.net/home) zur Anwendungsvirtualisierung, schnelles LAN/WAN und ein Endgerät, das RDP versteht. Letztes kann alles sein: Mac, ein anderes Windows, iPad, Linux, ...

 

Aber: wenn ich einzelne Anwendungen sowieso über Windows laufen lasse, warum den ganzen Aufwand? Naja, zum Einen um mit Windows 10 nicht mehr ins Internet zu müssen (das geht dann lokal, z.B. eben über den Linux-Client), zum Anderen um von überall aus auf diverse Anwendungen zugreifen zu können, ohne das alles immer lokal installiert haben zu müssen. Und für Mac-User: eventuell nur für Archicad (und ggfs. eine AVA-Lösung) eben Windows benutzen, ohne es installieren zu müssen und der Rest läuft wie gewohnt über macOS.

 

Konkretes Beispiel: bei mir im Büro laufen die Windows-Workstations alle mit Windows 10 mit aktiviertem Remote Desktop. Der Zugriff von außen erfolgt via VPN, die Rechner haben 10-GBit und lassen sich via WOL einschalten. Damit das aber flutscht, muss man aber an den Gruppenrichtlinien etwas ändern. Das kann man entweder an jeder Workstation machen, oder zentral verwalten. Aber das wäre ein anderes Thema. Hier jedenfalls der Link zu einer Website, die erklärt, was da wo eingestellt werden muss.


https://knowledge.civilgeo.com/enabling-gpu-rendering-for-microsoft-remote-desktop/

 

Von zuhause aus arbeite ich gerne mit einem Mac. Da hilft dann Microsoft RDP, bzw. Windows App, wie die Software neuerdings heißt. Unter Linux geht das ähnlich mit Thincast Remote Desktop Client. Beide können die RDP-Dateien aus dem RemoteApp Tool einlesen und dann eine Verbindung herstellen. Archicad (oder jede andere App) erscheint dann als eigenes Fenster innerhalb der Linux/Mac-Umgebung.

 

Insgesamt ist das eine ganz gute Krücke, aber Drag'n'Drop funktioniert z.B. nicht.

 

Meine Erfahrung ist: Linux kann Spaß machen. Und man kann es inzwischen soweit konfigurieren, dass die Bedienung sehr Windows-ähnlich ist. Office ist auch kein Thema mehr, ebenso eMail, Cloud/Teams, etc. 

 

Mein Fazit: man kann inzwischen ganz gut einen sicheren Linux-Arbeitsplatz mit einem externen, gekapselten Windows betreiben. Der lokale Arbeitsrechner kann dabei ein alter PC oder ein Thinclient sein, da die Hauptlast ja von dem isolierten Windows-PC gestemmt wird. 

 

WinBoat halte ich übrigens für keine geeignete Lösung, da dort das Windows wieder lokal liegt, was die Verwaltung erschwert.

 

Grundsätzlich sollten @GRAPHISOFT  und Nemetschek über das Thema europäische digitale Souveränität nachdenken. Freie Betriebssysteme sind da ein erster Schritt. 

 

torben_wadlinger_0-1767475988090.png

 

 

Archicad seit v5.0 bis v29 | macOS und Windows | BIMCloud selbst gehostet | BIM-zertifiziert gemäß BAK und BIngK | BIM-Referent AK RLP
3 ANTWORTEN 3
Hmooslechner
Moderator

Wäre schon wirklich von Graphisoft aus anzudenken - gerade, wo jetzt endlich in der EU doch einmal der Gedanke des Emanzipierens gegenüber der USA Fahrt aufnimmt - ob es nicht höchst an der Zeit wäre, sich als Absicherungs-Grundlage wenigstens Linux als Native-Archicad-Betriebssystem-Alternative frei zu halten.. "es zu machen"..

 

(Graphisoft sitzt eh im Obrigkeis-kritischtem Land gegenüber der USA-freundlichen EU-Führung in Europa, sollte doch möglich sein, könnte man denken..)

 

Wäre ja nur eine zusätzliche Alternative und "kein Muss".

AC5.5-AC27EduAut, PC-Win10, MacbookAirM1, MacbookM1Max, Win-I7+Nvidia
Cajus Pruin
Booster

Insgesamt halte ich die Abkoppelung der Anwendersoftware vom Betriebssystem für eine gute Idee, kann aber einer Variante mit RDP überhaupt nichts abgewinnen - das ist mir dann doch zu 90er. Und es braucht immer gutes Netz - also Arbeiten aus der Bahn heraus geht mit RDP schon mal nicht. Eigentlich hat Graphisoft ja schon früh den richtigen Ansatz gehabt - was auch einer der Hauptgründe für mein Büro war, AC einzusetzen: die bimcloud und damit vernetzt zu arbeiten, aber so wenig wie möglich Daten zwischen den Standorten austauschen zu müssen. 

 

Da AC gut auf macOS läuft und dies bekannterweise recht linuxnah ist würde ich eine Portierung auf ein quelloffenes OS bevorzugen und wirklich nur durch das Netz schicken, was notwendig ist: Geometriedaten, die sich verändern.

 

Nur meine 5ct.

Grüße, Cajus

Cajus Pruin | UP+ Architekten + Stadtplaner
Hamburg | Hannover . alle Versionen auf macOS . Aktuell: AC29 auf Tahoe . M1 Max
torben_wadlinger
Virtuoso

Arbeiten aus der Bahn heraus war jetzt nicht der use case, den ich im Sinn hatte. Ich gehe mal davon aus, dass eine Linux-Version von Archicad eher nie existieren wird (https://www.graphisoft.com/legal/license-agreements/third-party-software-licenses), auch wegen der vielen sehr speziellen Software-Bibliotheken, die es eben nicht für Linux gibt.

 

RDP (egal in welcher Geschmacksrichtung) ist für externes, stationäres Arbeiten nach meine Erfahrung die beste Lösung. Ich hab das auch mal 'ne Zeit lang mit Lizenzausleihe etc. probiert, aber gerade bei schwachem Netz und BIMCloud ist das eher suboptimal.

 

Aber wie gesagt, mir geht es darum eine Linux-Umgebung zu schaffen, in der Archicad performant und gleichzeitig abgeschottet funktioniert. Da lag der Ansatz mit RDP nah. Aber selbst wenn es ein Linux-Archicad gäbe; Rhino, Sketchup, AVA, Rendering etc. gibt es eben nicht unter Linux. 

 

Mein Büro zieht weder auf Window 11 um, noch werden wir Archicad im Abo nehmen. Aktuell frieren wir unsere Systeme ein und ziehen das was geht auf Linux um. Serverseitig haben wir das schon vor über zehn Jahren gemacht, jetzt teste ich eben wie das mit den Clients geht. Das führt zu abstrusen Situationen: die BIMCouds laufen inzwischen auf Windows-VM's (waren vorher auf macOS, aber das ist inzwischen keine Option mehr), diese werden aber auf Linux gehostet. Clientseitig haben wir ein gemischtes Netzwerk (WIN, MAC) und jetzt probiere ich eben Linux aus. Ich hab' keine Ahnung wo das hinführt ...

 

 

Archicad seit v5.0 bis v29 | macOS und Windows | BIMCloud selbst gehostet | BIM-zertifiziert gemäß BAK und BIngK | BIM-Referent AK RLP

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